Philosophie und Geschichte

Das Wort Fasten hat seine Wurzeln im Mittelhochdeutschen -vasten- und wurde mit fest- halten, machen übersetzt. Die traditionelle Fastenzeit ist eine Zeit, in der ich mich neu festmache, neu ausrichte. Nach dem langen Winter kommt das Frühjahr in dem innere Impulse eine Richtung bekommen. Diese Impulse rücken ins Greifbare.

Bildlich ist das Fasten ein Festmachen, ein Schutz, das Altes und gut Bewährtes in sich hält, es sammelt und speichert. Die Natur macht es uns hier vor. Das Wasser, welches im Winter einen festen Agregratzustand annimmt, wird zu Eis und schützt wie eine Festung, das was es umgibt und beherbergt.

  • der heilige Athanasius (295-373 u. Z.) sagte zum Fasten: "Es heilt die Kranken, trocknet die überschüssigen Säfte im Körper aus, vertreibt die bösen Geister, verscheucht verkehrte Gedanken, gibt dem Geist große Klarheit und macht das Herz rein. "Jejunium a vespera ad vespeam" Das Fasten von einem Abend zum anderen Abend (24 h) wird von den frühen Christen praktiziert. Es diente für die Keim- und Stoßkraft einer Gruppe und ihrer getragenen Idee.
  • In Ägypten fasteten die Pharaonen vor großen Festen und die Bewerber der Isis- und Osiris Mystierien fasteten 7-42 Tage lang. Bei den Griechen fasteten die Aufzu- nehmenden, vor den Eleusis Mystirien, 7-9 Tage. In Mexiko unterwarfen sich die Priester einer sehr strengen und enthaltsamen Lebensweise, welche auch das Fasten vor bedeutenden Festen beinhaltete. Das Orakel von Delphi durfte erst nach 24 stündigen Fasten von der Pythia befragt werden.

Das legendäre Volk der Hunza, ein kleines Königreich an der Seidenstraße zwischen Karakorum und Hindukusch, lebte viele Jahrhunderte ohne Krankheiten in einer sozialen Gemeinschaft. 1974 verloren sie ihre Unabhängikeit an Pakistan. Als die Briten 1891 das Gebiet eroberten, stießen sie auf ein Bergvolk, das in einem Hochtal in völliger Isolation interessante Eigenheiten bewahrt hatte. Ihre Sprache war mit keiner anderen der Welt verwandt. Schon auf den ersten Blick sah man, dass die Leute von außerordentlicher Zähigkeit und Gesundheit waren und dass es unglaublich viele sehr alte Menschen gab. Die abkommandierten britischen Militärärzte befassten sich schon damals mit dieser Tatsache und stellten fest, dass es vor allem die Ernährung war, der die Leute ihre Gesundheit bis ins hohe Alter verdankten.

Ihre jahrhundertalten Bräuche verschwanden und Zivilisations- krankheiten machten sich breit. Auch das Lebensalter schrupfte auf die Hälfte der Lebeserwartung. Fasten mussten sie nun auch nicht mehr, da nun zu jeder Jahreszeit alles vorhanden war.

 

In den alten Kulturen gehörte das Fasten mit zum Leben dazu. Die Natur schaffte mit den Jahreszeiten für die Menschen und allen anderen Lebewesen eine Ordnung, in der sich alles eingliederte. Auch die Nahrungsenthaltung bestimmter Lebensmittel oder die komplette Entsagung, waren ein fester Bestandteil und hatten ihren Platz im Jahreskreis. Alle Völker und Religionen geben dem Fasten eine sehr wichtige und entscheidende Rolle. Das Fasten wird hier als ein Prozess beschrieben, welcher als reinigend empfunden wird. Wenn man etwas reinigt, kommt es wieder in seine Ursubstanz oder in seine Ausgangsposition zurück.

In der alten Edda, wird geschrieben: Ich weiß, das ich hing am windigen Baum neun Nächte lang, mit dem Ger verwundet, geweiht dem Odin, ich selbst mir selbst, an jenem Baum, da jedem fremd, aus welcher Wurzel er wächst. Sie spendeten mir nicht Speise noch Trank; nieder neigt ich mich, nahm auf die Stäbe, nahm sie stöhnend auf, dann stürzte ich herab. Zu wachsen begann ich und wohl zu gedeihn, weise ward ich da. Wort mich von Wort zu Worte führte, Werk mich von Werk zu Werke führte.

Täglich frisch vermahlenes Getreide, Gemüse soweit vorhanden, saure Milch, kein Fleisch, überhaupt kein Zucker, als Trinkwasser die von fein zerriebenem Gestein graue "Gletschermilch" und vor allem die Wunderfrucht Aprikose, frisch und getrocknet, mit ihrem geheimnisvollen Kernöl schien Ursache der besonderen Langlebigkeit zu sein. "Das dreimalige tägliche Essen soll wie ein dreimaliges tägliches Gebet verrichtet werden", sagten die Hunzaleute außerdem.

 


Weiterhin gab es eine jährliche Fastenzeit, die durch die Karge Natur unabdingbar war. Diese doch lange Fastenzeit von einigen Monaten, war für die Hunzas nie ein Problem. Sie gehörte zum Leben dazu. Auch die Kinder fasteten hier mit. Die noch kleineren Kinder wurden sehr lange von Ihren Müttern gestillt. Leider kam über dieses Volk vor ungefähr 20 Jahren die Industriealisierung und der zunehmende Tourismus.


Thilo Lars Schubert

 

  • Fastenleiter
  • Ausbilder Selbstverteidigung
  • Systemische Familientherapie
  • Familien- und Sozialberatung

Heike Schubert

  • Kunsttherapeutin
  • Fastenleiterin
  • Künstlerin, bildende Kunst
  • Gesundheitsberater GGB
  • Systemische Familienstherapie

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